Gewerkschaft NGG warnt vor steigender Altersarmut im Kreis Dillingen

43 Prozent mehr Bezieher von Grundsicherung als vor zehn JahrenAltersarmut-1

 

Immer mehr Rentner im Landkreis Dillingen an der Donau sind auf staatliche Unterstützung angewiesen: 426 Menschen erhielten im vergangenen Jahr Grundsicherung im Alter („Alters-Hartz-IV“) oder bei Erwerbsminderung – 43 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Schwaben warnt vor einer Zunahme der Altersarmut und fordert einen Stopp der beschlossenen weiteren Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus.
„Innerhalb von zehn Jahren sind im Kreis Dillingen an der Donau rund 130 Menschen hinzugekommen, die ihre Rente beim Staat aufbessern müssen“, sagt NGG-Geschäftsführer Tim Lubecki. Bayernweit stieg die Zahl der Empfänger von „Alters-Hartz IV“ im selben Zeitraum von 51.600 auf 122.800. Lubecki spricht von einem „sozialpolitischen Armutszeugnis“, dass selbst Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, der Gang zum Sozialamt nicht erspart bleibe. „Wir brauchen deshalb dringend Korrekturen bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ohne ein höheres Rentenniveau werden junge Beschäftigten später in Altersarmut geschickt.“
Auch die tarifliche Altersvorsorge fange die Versäumnisse des Gesetzgebers nur zum Teil auf. „Gleichzeitig bietet die Tarifrente aber einen besseren Schutz vor Altersarmut“, sagt Gewerkschafter Lubecki. Dazu habe die NGG in Bayern in vielen Branchen Tarifverträge vereinbart. Zum Beispiel in der Brauwirtschaft, in der Nährmittelindustrie und in der Milchwirtschaft. 
So zahlt der Arbeitgeber für jeden Beschäftigten in der Milchindustrie 700 Euro pro Jahr in die tarifliche Altersvorsorge ein. Ab kommendem Jahr steigt der Arbeitgeber-Anteil sogar auf 800 Euro. „So hoch muss der Beitrag vom Chef mindestens sein, damit die Tarifrente im Alter auch spürbar im Portemonnaie ankommt“, erklärt Tim Lubecki.
Zu den wichtigsten Mitteln gegen Altersarmut gehöre jedoch in erster Linie ein Lohnniveau, das deutlich oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns liege. „Hier sind die Arbeitgeber im Kreis Dillingen an der Donau gefordert. Sie sollen sich an Tarifverträge halten, statt Löhne durch prekäre Jobs zu drücken“, fordert Lubecki. Erst dann werde es einen echten Schutz vor Altersarmut geben.