Ambulant betreutes Wohnen für Jugendliche hat sich nach einem Jahr bewährt

Seit etwa einem Jahr gibt es das „ambulant betreute Wohnen für Jugendliche und junge Erwachsene“, kurz ABW, im Landkreis Dillingen a.d. Donau. Es bietet jungen Menschen ab 16 Jahren, die nicht bei ihren Eltern wohnen können, die Möglichkeit, mit pädagogischer Unterstützung Schritt für Schritt selbständig zu werden. So viel Unterstützung wie nötig, so viel Freiraum und Selbständigkeit wie möglich – so könnte man das Konzept für das ABW zusammenfassen, das vom Amt für Jugend und Familie des Landratsamtes und der „Abenteuerschule4U“, einem Anbieter von Jugendhilfeleistungen, gemeinsam entwickelt wurde.
Die ersten Erfahrungen sind durchweg positiv. Pädagoge M. A. Christian Bühler von der Abenteuerschule4U leitet das ABW. „Aktuell leben sechs junge Menschen hier. Wir versuchen, mit ihnen an ihren Stärken zu arbeiten und sie auf ein selbständiges Leben vorzubereiten“, erklärt Bühler. Die Entscheidung, ob ein Jugendlicher in das ABW einzieht, wird durch das zuständige Jugendamt getroffen. Bei Minderjährigen müssen die sorgeberechtigten Eltern zustimmen; es wird genau geprüft, ob die Jugendlichen in ihrer Entwicklung schon weit genug sind, um in das ABW einzuziehen. Ihren Lebensunterhalt müssen sie selbst, z.B. durch ihre Ausbildungsvergütung, BAföG, oder Unterhalt der Eltern, bestreiten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Probleme mit den Eltern oft durch die räumliche Trennung entschärfen lassen“, so Bühler.
Nach Auffassung von Jugend-
amtsleiter Michael Wagner ist das ambulant betreute Wohnen auch für Jugendliche, die zuvor in Einrichtungen der Jugendhilfe gewohnt haben, häufig eine gute Lösung auf dem Weg zum Erwachsenwerden. „Es ist nicht sinnvoll, wenn junge Menschen von einem Kinder- oder Jugendheim, in dem es eine 24-Stunden-Rundumbetreuung gibt, direkt in die Selbständigkeit entlassen werden. Das ABW ist die Zwischenstation, die uns bisher gefehlt hat. Wir geben den Jugendlichen auch einen gewissen Vertrauensvorschuss, wir trauen ihnen den nächsten Schritt auf dem Weg in die Selbständigkeit zu“, so Wagner.
Der 17-jährige Justin ist im Januar in das ABW eingezogen. Nach etwa einem halben Jahr sagt er: „Ich bin selbstständiger geworden, koche selber, wasche Wäsche und halte mein Zimmer sauber. Mit den anderen Bewohnern komme ich super klar. Auch wenn es ab und zu Streit gibt, klärt sich alles ganz schnell und ruhig.“
Landrat Leo Schrell zieht ebenso ein positives Fazit ein Jahr nach Eröffnung des ABW. „In der Jugendhilfe geht es darum, Hilfen so zu gestalten, dass sie möglichst gut auf die individuelle Situation der jungen Menschen zugeschnitten sind. Das ambulante betreute Wohnen optimiert hierbei die bestehenden Angebote der Jugendhilfe im Landkreis Dillingen a.d. Donau“, so Schrell.

Hurler